Petal Habit-Objekt

Petal ist ein Konzept für taktiles, ritualisiertes Habit-Tracking. Ein Sonnenblumen-Objekt erhält mit jeder gelebten Gewohnheit ein von Hand gestecktes Blütenblatt. Eine zurückhaltende Begleit-App erfasst den Fortschritt leise im Hintergrund.

Auf Basis einer Literaturrecherche und zwei Co-Design-Workshops habe ich einen bestehenden, reminder- und streak-basierten App-Ansatz kritisch hinterfragt und daraus einen nicht-metrischen Interaktionsansatz entwickelt.

Projekttyp

Projekttyp

Research-through-Design-Projekt, Tangible Interaction Concept, App-Prototyp

Meine Rolle

Meine Rolle

UX Research, Interaction Design, UI Design,
Concept Design

UX Design, UX Research,
UI Design, Storyboarding

Teamgröße

Teamgröße

Einzelprojekt (Co-Design mit 3 Workshop-Teilnehmenden)

Tools

Tools

Figma, FigJam, Claude, Zotero, Material 3 Design Kit,

Zeitraum

Zeitraum

September 2025 -
Februar 2026

September 2025 - Februar 2026

Das Problem

Mein erster App-Prototyp für Habit-Tracking folgte dem klassischen Muster digitaler Habit-Tracker. Erinnerungen zu festen Zeiten, App-Restriktionen wie Social-Media-Sperren und Stimmungsabfragen nach jeder Gewohnheit.

Die Habit-Formation-Forschung zeigt aber, dass genau dieses Muster kontraproduktiv ist. Erinnerungsbasierte Systeme steigern kurzfristig die Nutzung, schwächen jedoch die Automatisierung von Gewohnheiten und verlagern die Kontrolle vom Nutzer auf die App. Ein weiteres Reminder-basiertes System hätte das Problem also eher wiederholt als gelöst.

Ergebnis

Aus zwei Co-Design-Workshops und einer Literaturanalyse entstand Petal. Ein physisches Sonnenblumen-Objekt erhält mit jeder ausgeführten Gewohnheit ein Blütenblatt, bis es nach einem definierten Zeitraum vollständig erblüht. Die Begleit-App wurde radikal reduziert. Aus einem umfangreichen Reminder-, Restriktions- und Alert-System wurde ein einziges, unaufdringliches Fortschritts-Interface zur optionalen Reflexion.

2

Co-Design Workshops

16

Ausgewertete Fachquellen

Abschlussquote
nach Redesign

2

Universitäten, 2 Semester Entwicklung

Komponenten im
Design-System

Prozess

Erster App-Prototyp: In Tallinn entstand im Rahmen eines HCI-Kurses ein vollständiger Habit-App-Prototyp mit Reminder, App-Restriktionen und Stimmungs-Tracking. Ein Jahr später wurde er zum Ausgangspunkt für eine kritische Auseinandersetzung mit reminder-basiertem Design.


Literaturrecherche: Für das Folgeprojekt an der TH Brandenburg analysierte ich Fachliteratur zu Tangible und Embodied Interaction, Habit-Formation-Forschung und Mindful Interaction Design. Reminder und Streaks fördern kurzfristige Wiederholung. Sie schwächen aber die langfristige, hinweisbasierte Automatisierung von Gewohnheiten.

Erster Co-Design-Workshop: In einer zweistündigen Session mit drei Teilnehmenden reflektierten wir persönliche Habit-Erfahrungen. Daraus entstanden tangible Metaphern für Gewohnheitsbildung, darunter ein wachsendes Objekt, ein stapelbarer Farbturm und ein Kalender-Artefakt.


Konzeptauswahl und Visualisierung: Die Sonnenblumen-Metapher setzte sich durch. Das Objekt wächst sichtbar mit jeder Habit-Ausführung, ohne Zahlen oder Vergleiche zu zeigen. Erste Visualisierungen machten das Konzept greifbar und dienten als Diskussionsgrundlage für den zweiten Workshop.

Zweiter Co-Design-Workshop: Im Fokus standen die Ritual-Handlung und die Frage, was das Objekt kommunizieren soll. Reminder-Prompts, Streak-Logiken und Vergleichsfunktionen fielen weg, da sie Autonomie eher untergraben als stärken.

Journey Mapping: Eine Customer Journey entlang von Awareness, Consideration, Acquisition und Retention zeigte, dass langfristiges Engagement vor allem von emotionaler Bindung an das Objekt abhängt, während Reminder-Abhängigkeit und Redundanz die größten Risiken für Retention bleiben.

Rückbau der App: Die ursprüngliche App aus Tallinn wurde konsequent reduziert. Reminder-Einstellungen, Restriktionen und Stimmungsabfragen fielen weg. Übrig blieb eine minimale Begleit-App, die Ziele passiv erfasst, den Fortschritt der Sonnenblume spiegelt und optional eine kurze Reflexion nach jedem Zyklus anbietet.

Das finale Design

Das finale Konzept verbindet ein physisches Ritual-Objekt mit einer zurückhaltenden App. Nutzer:innen stecken nach jeder Gewohnheit ein Blütenblatt in die Sonnenblume, während die App im Hintergrund synchronisiert. Nach Erreichen des Ziels zeigt die Pflanze eine kurze, positive Animation, bevor ein neuer Zyklus beginnt. Eine digitale Garten-Galerie hält abgeschlossene Zyklen als Erinnerung fest.

Kontaktiere mich gern hier:

Designed mit liebe in Leipzig © 2026 Tom Lawerenz

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